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Daniel Mohr
Phasenverschiebung

8. Mai – 29. Juni 2012




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„Spiegelungen von Licht auf Wasser, Schattenwürfe, prismatische Brechungen, wirbelnde Drehungen: Aus Phänomenen, die die eindeutige Sicht auf die Welt und ihre Gegenstände stören, beziehen Daniel Mohrs Bilder wesentliche ästhetische Impulse. Die Kompositionen des 1976 geborenen, in Berlin lebenden Malers sind selbst in mehrfacher Hinsicht gestört. Sie sind von ebenjenen Spiegelungen, Brechungen und Drehungen erfasst, die Mohr aus der außerbildlichen Wirklichkeit in die innerbildliche Realität seiner Malerei importiert. Diese Malerei zerspringt gleichsam vor den Augen der Betrachter und entzieht sich wie das flüchtige Spiel von Licht und Schatten dem Zugriff. Sie ist zersplittert, verzogen, in vertikale Bänder und rotierende Kreise zergliedert.

Daniel Mohr schöpft aus dem Fundus der Kunstgeschichte, aus selbst aufgenommenen Wirklichkeitsmomenten, in denen sich die Mechanismen der Wahrnehmung verdichten und implizit über deren Störung und Mobilisierung zur Anschauung kommen. In seinen gemalten Collagen aus visuellen Beobachtungen, Fund- und Bruchstücken erforscht er das Sehen ebenso wie das Gesehene. Die »theoretische Grundierung des eigenen Tuns« umfasst die mathematisch-permutativen Strukturen der Minimal Music samt der ihnen immanenten Ausbrüche, die Übertragung technischer Eigenheiten des digitalen Bildaufbaus und »fotografischer Effekte« in die Malerei ebenso wie die optischen Experimente des Barock, die ästhetischen Fragestellungen der Bauhaus-Künstler, insbesondere die bildnerische Form- und Farbenlehre von Paul Klee, Henri Matisses Scherenschnitt-Technik der Gouaches découpés, bis hin zu den Untersuchungen Johann Wolfgang Goethes über Wesen und Wahrnehmung der Farben in dessen ganzheitlicher Farbenlehre (1810).

Die visuellen »Phasenverschiebungen« oder Interferenzen sorgen nicht nur für einen buchstäblichen Knick in der Optik der Bilder bzw. der Rezipienten, der deren Lesefluss kurzfristig arretiert, umlenkt, in neue Terrains und Bedeutungsschichten führt. In der damit verbundenen Parallelität der Ereignisse ist auch die Chronologie der Zeit mit aufgehoben. Letztere fällt immer wieder auf sich selbst zurück und bleibt in der Schwebe zwischen Progression, Rückkopplung und Endlos-Loop: »in einer permanenten Bewegung von Entgrenzung und Begrenzung, von Grenzaufbau und Grenzabbau, von Enträumlichung«, die den »hybriden Räumen« unserer Welterfahrung mit ihren »vagabundierenden Grenzen« und nahtlosen Übergängen von real zu virtuell und wieder zurück gemäß ist.“ (Text: Belinda Grace Gardner)

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Publikation im Kerber Verlag.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Galerie.