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C.O. Paeffgen | Obst- und Gemüsekisten erzählen

16. Januar bis 14. März 2018




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Die Einfachheit hat System. Das System hat Einfachheit. Auch das hat System. Ständig taucht er in irgendeiner Bild-Ecke auf: ein kleiner Mond, der sichelförmig wie ein schwebendes Komma in der Luft hängt. Von Vögeln angesungen, vom verlängerten Elefantenrüssel eingefangen, oder als Orientierungsmarke am Firmament klebend setzt C.O. Paeffgen den Mond seit Ende der 1960er Jahre neben anderen wiederkehrenden Bildelementen in hölzernen Obst- und Gemüsekisten in Szene. Die Kisten sind wie Miniatur-Bühnen oder -Filmsets, auf denen sich alles und nichts abspielt. Ganze Dramen gehen darin vor die Hunde. Das Ende ist stets nahe und baumelt bisweilen am Bindfaden. Die Balancen sind an sich ziemlich prekär. Da kann schon mal was ins Kippen, auf Abwege und Abseiten geraten. Ein Kicker tritt beherzt in den Abgrund. Sex und Tod halten sich die Waage. Die wahren Abenteuer finden ohnehin im Kopf statt. Jedem einzelnen Kopf zeigt sich eine andere, eigene Geschichte. Der Künstler ist wie ein visueller Stichwortgeber, der etwas in den Raum stellt, das diese oder jene Deutung zulässt. Oder eben gar keine. Denn sein Prinzip lautet in greifbarer Nähe zur Maxime der Minimalisten, „What you see is what you see“(1): Es ist das, was es ist. Nichts steckt dahinter. Alles, was es zu sehen gibt, steht unverblümt und unverbrämt vor dem Auge des Betrachters, der Betrachterin. Das, was die Kisten zu erzählen haben, liegt offen vor einem. Man sieht eben, was man sieht, und liest die Geschichten, die man zu erkennen meint. Der Mond ist stiller Zeuge des Panoramasptikums, das sich für jeden und jede immer wieder anders aus dem Zusammenspiel der von Paeffgen präzise gesetzten Bild-Zeichen entfaltet.
C.O. Paeffgen, Jahrgang 1933 und studierter Jurist, hat sich als Maler, Grafiker und Objektkünstler mit einer eigenwillig-autonomen, aus Medienimages schöpfenden Bildsprache einen Namen gemacht, die aus Ernst Komik macht – und umgekehrt, dem Komischen buchstäblich ernsthaft(e) Kontur gibt. Seine künstlerische Laufbahn startete er Ende der 1960er Jahre. Schon 1970 nahm er an einer Ausstellung in der Kunsthalle Köln teil, die erste von vielen weiteren Präsentationen in namhaften Museen und Kunstinstitutionen. Ironie und dunkler Humor sind treibende Kräfte seines zwischen der zweiten und dritten Dimension changierenden Werks, das politische Scharfsicht, bissige Kulturkritik und die widerständige Poesie des Absurden vereint.
Die von Anfang an parallel zu seinen bekannten malerischen Umrandungen und assemblagehaften Umwicklungen kreierten Obstkisten-Arbeiten sind multimediale Konglomerate aus Malerei und Skulptur, Objekt, Installation und Konkreter Poesie. Überhaupt: Die Konkrete Poesie, die sich selbst bedeutet und sonst nichts, ist eine lyrische Fuß- und Kopfnote, die in den Hinterfragungen und Deplatzierungen des Künstlers aufscheint. In Boxen gefasst, die sonst lebensmittelhaltig sind, mutieren seine Bilder, die sich in den vergangenen Jahren auf wenige optische „Statements“(2) verdichtet haben, zu Guckkästen, die ans Eingemachte gehen, aber keinen Spaß auslassen. Ohne Spaß müsste man sich fragen, was das Ganze eigentlich soll. Aber genau darum geht es vielleicht auch in Paeffgens Werk.
Text: Belinda Grace Gardner
Anmerkungen: (1)Frank Stellas Äußerung über den eigenen künstlerischen Ansatz 1964 wurde zum ästhetischen Schlachtruf der Minimal Art (vgl.: https://www.sfmoma.org/exhibition/what-you-see-is-what-you-see/, abgerufen: 20.12.2017). (2) Bazon Brock, ¿Irrsinnig schön!, in: Oliver Kornhoff (Hrsg.): Sehr Schön. C. O. Paeffgen im Arp Museum, Ausst.-Kat., dt./engl. (Arp Museum Bahnhof Rolandseck: 2013), Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König 2013, S. 12.

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